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HELRUNAR "Frostnacht"
(Lupus Lounge)
Es bleibt bitterkalt im HELRUNAR Kosmos, in dem sich der Mensch - Sender wie Empfänger - den Naturgewalten ausgesetzt fühlt. Für die Prophecy Familie ist es lange nach dem Dahinscheiden des ersten Triebes eine teilweise Rückkehr in  Moorlandschaften, in welche einst Empyrium entführten. ,Birke Im Moor', ein fragiler Rezitativ, enthüllt noch mehr: nach dem kleinen Höhenrausch, zu dem gutbesuchte Konzerte und ein phonstarkes, textsicheres Auditorium verleiten mochten, ist es nach wie vor der Tiefenkoller, dem sich das Trio, allen voran Skald Draugir ergibt; die Tiefe mit der er raunt, in die er sich aber auch nur zu gerne fallen lässt. Abgründe inspirieren letztlich mehr, vor allem dann ,wenn man das Leben wieder bei aller gewohnter Bequemlichkeit als Kampf ums Überleben begreift. Und das Überleben, das Leben nicht zuletzt über den Standards einer einfältigen, satten Gesellschaftsform - in der es dafür versteckter wieder um so mehr Hunger gibt, nach geistiger Erbauung wie simpler Nahrung in Form von Lebensmitteln -  fällt nicht immer leicht. So er sich in Interviews öffnet und über den normalen Gesprächshorizont erwächst, wird eine Zerrissenheit deutlich, die letztlich das Potential eines authentischen, echten Künstlers ausmacht. Eines Künstlers, der um Stilmittel und Strukturen weiß, letztlich aber nur sich selbst folgt. Vorbilder einer schillernden Pagan Szene, von norwegischen Urvätern ab Bathory über Kampfar, Gehenna, vielleicht Windir über Skyforger und andere mag es geben. "Frostnacht" ist dennoch Abbild eines Schubs an Kreativität, es beinhaltet Hauch wie Sturm, aber eben nicht ,Hauch Wird Sturm' der Split-Aktion mit Nachtmahr, genauso wenig Material des vorzüglichen Debüts in Eigenregie. Das wird den Wert von "Gratr" nicht nur in idealistischer Hinsicht stützen, es bedeutet auch, dass die junge Band sich bereits freigeschwommen hat von dieser frühen, selbst sehr hoch angelegten Messlatte. Als historisch interessierter Skandinavistik Student um die Werte der Vergangenheit wissend, um ihre Bedeutung für das Jetzt und die Zukunft, ist daraus kein harscher stilistischer Bruch entstanden, vielmehr eine behutsame Fortführung. Lyrische Tiefe trifft oft auf klangliche Einfachheit, die jedoch so gestaltet ist, dass sie sich nicht in aller Deutlichkeit sofort offenbart, sondern Freiräume lässt, im wahrsten Sinne anregend ist für die Phantasie, im Nebel wuchtiger Gitarrenwände um Dionysus Garten, rechts und links der oft stoischen Anschläge Alsvartrs Fährten zu suchen, die es sich aufzunehmen lohnt. HELRUNAR mögen ein Planquadrat vorgeben, eine raue, unwirtliche Weite, alternierend mit dichten Wäldern, in dem man sich bewegt, aber sie definieren kein Ziel. Ihre Kunst ist in gleichem Masse in Gesellschaft erfahrbar wie vereinzelnd. Denn bei allen hymnenhaften Momenten fühlt man sich eigentlich doch nie in Isolation dazu bemüßigt, seine Stimme mit zu erheben. In der intimsten Auseinadersetzung sinkt man in die Tiefe, im Verbund mit teilweise Gleichgesinnten schnellt man hervor. (BTJ)

13 Punkte 
jaszak.net design and photography